ARIA – Barrierefreiheit für komplexe Webanwendungen

Was ist ARIA?

ARIA steht für „Accessible Rich Internet Applications“. Es handelt sich um einen W3C-Standard, der HTML um spezielle Attribute erweitert. Diese sogenannten WAI-ARIA-Attribute ermöglichen es, komplexe Webanwendungen wie Dropdown-Menüs, Modale oder Tabs auch für Screenreader und andere assistive Technologien zugänglich zu machen.

Warum ist ARIA notwendig?

Viele moderne Websites nutzen <div>– oder <span>-Elemente, die visuell wie Buttons oder Menüs aussehen – aus technischer Sicht jedoch keine semantische Bedeutung haben. Ohne zusätzliche Informationen können Screenreader die Funktion dieser Elemente nicht erkennen.

Ein Beispiel:
Ein visuell sichtbares, klickbares Element wird als <div> eingebunden. Ohne role="button" und entsprechende ARIA-Attribute bleibt es für assistive Technologien unsichtbar oder unverständlich.
ARIA ergänzt daher fehlende Semantik, wenn native HTML-Elemente nicht ausreichen.

Drei Kernfunktionen von ARIA

  1. Rollen (Roles)
    Mit dem Attribut role kann die Funktion eines Elements beschrieben werden. Zum Beispiel:

    • role="button" – signalisiert, dass ein Element wie ein Button funktioniert.

    • role="dialog" – kennzeichnet ein modales Fenster.

    • role="navigation" – beschreibt einen Navigationsbereich.

  2. Zustände (States)
    Zustände geben den aktuellen Status eines Elements an. Beispiele:

    • aria-expanded="true" – ein aufklappbares Element ist geöffnet.

    • aria-checked="false" – eine Checkbox ist nicht aktiviert.

    • aria-disabled="true" – ein Element ist deaktiviert.

  3. Eigenschaften (Properties)
    ARIA-Eigenschaften liefern zusätzliche Informationen. Typische Beispiele:

    • aria-label="Suche" – ein unsichtbarer, aber maschinenlesbarer Name für ein Element.

    • aria-labelledby="ueberschrift1" – verweist auf eine sichtbare Beschriftung.

    • aria-describedby="infoText" – liefert eine zusätzliche Beschreibung.

Textbeispiele (in Fließtextform, ohne Codeblöcke)

Ein aufklappbares Akkordeon-Element kann mit folgenden Attributen ausgestattet sein:
Ein Button enthält aria-expanded="false" und aria-controls="panel1". Das zugehörige Panel hat die ID panel1 und ist zunächst verborgen.

Ein Dialogfenster kann so gekennzeichnet werden:
Ein div erhält role="dialog" und aria-modal="true", dazu ein Titel mit der ID dialog-title, der per aria-labelledby referenziert wird.

Eine dynamische Textanzeige (z. B. Statusmeldung) kann über aria-live="polite" mitgeteilt werden.

Vorteile und Risiken

Vorteile von ARIA:

  • ermöglicht barrierefreie Umsetzung komplexer Interfaces

  • verbessert die Verständlichkeit für Screenreader

  • ergänzt fehlende HTML-Semantik

Risiken bei falscher Nutzung:

  • Fehlende oder falsch gesetzte Rollen können zur Verwirrung führen.

  • Inhalte können durch aria-hidden="true" für Screenreader vollständig ausgeblendet werden.

  • Übermäßiger ARIA-Einsatz kann kontraproduktiv sein.

Wichtiger Grundsatz:
Nutze zuerst semantisches HTML. Verwende ARIA nur, wenn HTML allein nicht ausreicht.

ARIA und gesetzliche Anforderungen

In den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.2) wird der Einsatz von ARIA direkt oder indirekt in vielen Erfolgskriterien gefordert, z. B. für Rollen, Zustände und Bezeichnungen. Auch die EN 301 549 und die BITV setzen voraus, dass interaktive Inhalte durchgängig zugänglich sind – mit oder ohne ARIA.

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Was bedeutet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für Unternehmen?

Einleitung
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verpflichtet ab dem 28. Juni 2025 erstmals auch private Unternehmen, ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Zu den betroffenen Angeboten zählen Websites, Web‑Apps, mobile Anwendungen, elektronische Dokumente, Selbstbedienungsterminals und Online‑Geschäftsprozesse. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen, älteren Nutzern und allen weiteren Zielgruppen gleichberechtigten Zugriff zu ermöglichen und Diskriminierung abzubauen.

Anwendungsbereich & Ausnahmen
Betroffen sind alle neu bereitgestellten digitalen Angebote, während Bestandslösungen bis zum 27. Juni 2030 weiterbetrieben werden dürfen, sofern sie nicht wesentlich geändert werden. Kleinstunternehmen mit unter zehn Mitarbeitenden und bis zu 2 Mio. EUR Jahresumsatz sind für bestimmte digitale Dienstleistungen bis 2030 befreit, nicht jedoch für physische Produkte oder Dokumente.

Übersichtspflicht („Accessibility Statement“)
Unternehmen müssen eine öffentlich zugängliche Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen. Diese umfasst den aktuellen Umsetzungsstand barrierefreier Funktionen, bekannte Barrieren, Maßnahmen und Zeitpläne zur Behebung sowie Kontaktmöglichkeiten für Nutzerfeedback.

Fristen & Risiken
Bis zum Stichtag müssen alle neuen Angebote vollständig barrierefrei sein. Bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder bis 100 000 EUR, Marktüberwachungsmaßnahmen, Abmahnungen, Schadensersatzansprüche und erheblicher Reputationsverlust.

Empfohlene Vorgehensweise

Audit & Bestandsaufnahme: Systematische Prüfung aller digitalen Assets.

Priorisierung & Maßnahmenplan: Klassifizierung nach Schwere und Aufwand.

Umsetzung & Testing: Technische Anpassungen nach WCAG und EN 301 549, automatisierte und manuelle Tests.

Veröffentlichung & Monitoring: Accessibility‑Statement live schalten, kontinuierliches Monitoring und regelmäßige Updates.

IFDB-Unterstützung
Das IFDB begleitet Unternehmen mit strategischer Beratung, zertifizierten Audits, Managed Monitoring, Workshops und Tool‑Kits, um eine 100 % gesetzeskonforme und inklusive Umsetzung sicherzustellen.

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Für reibungslose Abläufe empfiehlt es sich, automatische Builds bei kritischen Violations abbrechen zu lassen, Tickets via Bot zu erzeugen und KPI-gedriebene Dashboards zu pflegen. das IFDB – Institut für digitale Barrierefreiheit unterstützt euch dabei mit zertifizierten Audits, maßgeschneiderten Schulungen und Managed Monitoring, damit eure Produkte dauerhaft 100 % gesetzeskonform und inklusiv bleiben.

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Für aufklappbare Untermenüs sind ARIA-Attribute unverzichtbar: Mit aria-expanded signalisierst du, ob das Submenü geöffnet ist, und über aria-controls verknüpfst du den auslösenden Button mit dem entsprechenden Menü. Zusätzlich zeigt aria-haspopup an, dass eine weitere Ebene folgt. So verstehen Screenreader zuverlässig, wann Nutzer auf ein Dropdown stoßen und in welchem Zustand es sich befindet.

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